Frieden #3: Der unvollständige Friede

Sie nähert sich ihm. 

Langsam. 

Schaut ihm tief in die Augen. 

Sehnsüchtig. 

Wartet ab.

 

Und er? 

Er wendet sich ihr zu. 

Liebevoll. 

Er berührt sie leicht an ihrer Wange. 

Ganz sanft.

Und öffnet seinen Mund. 

 

Dann küssen sie sich. 

 

„Ein ganz normaler Kuss?“ denken Sie? 

Schon. 

Das Besondere ist, wer sich da küsst. 

Sie, das ist die Gerechtigkeit.

Er, das ist der Friede. 

 

„Dann küssen sich Gerechtigkeit und Friede“ so beschreibt die Bibel – ganz poetisch in einem Lied – das Ende einer schrecklichen Leidenssituation für das Volk Gottes. In den ersten Strophen dieses 85. Psalms klagen die Liedermacher weil Gott nicht da ist, in ihrem Leid. In den letzten Strophen beschreiben sie, was Gott ihnen sagt, wie es sein wird, wenn er ihnen Frieden bringt. 

 

„Dann küssen sich Gerechtigkeit und Friede.“ Was für ein fantastisches Bild. Denn es gibt ja einen Frieden ohne Gerechtigkeit. „Du hast Recht und ich meine Ruhe“ – sagen oder denken wir manchmal. Um des lieben Friedens willen kämpfen wir nicht zu Ende, stecken vielleicht selbst zurück, tun so, als wäre Gerechtigkeit unbedeutend. 

 

Und es gibt Gerechtigkeit ohne Frieden. Da wurde Recht gesprochen in dem vertrackten Scheidungs- und Sorgerechtsstreit, aber Frieden herrscht deswegen noch lange nicht. Das wird bei jedem Umgangskontakt deutlich.

 

Wenn sich aber Friede und Gerechtigkeit küssen, sich gleichwertig, sanft und liebevoll berühren, ineinander verschmelzen, dann ist aller Schrecken, alles Leiden wirklich zu Ende. 

„Was ist Frieden?“ frage ich mich gerade. Die Bibel zeigt mir: Ohne Gerechtigkeit ist der Friede unvollständig.

 

Cordula Lindörfer, StartUp Kirche Eisenach